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2.4 Die Edition bis 2017

1 Die Edition bis 2017

Die Kepler Gesammelten Werke erschienen von 1937 an in München; das Siglenverzeichnis des letzten Bandes zitiert sie als „Bd. 1–22, München 1937ff.“ (KGW 22, S. 535). Dieser Abschnitt verfolgt die Edition von der Rückgabe der Pulkowoer Handschriften 1935 bis zum Erscheinen von KGW 22 im Jahr 2017. Er stützt sich auf drei Arten von Belegen: die Titelblätter und Impressen der KGW-Bände, die Rückblicke in KGW 20,1 und KGW 22 und die Briefe der Jahre 1935 und 1941 in den Münchner Kepleriana (Dok. 4).

1.1 Die Pulkowoer Bände nach der Gründung (1935–1937)

Am 27. Juni 1935 schrieb Max Caspar unter dem Kopf „Kepler-Ausgabe der Bay. Akademie der Wissenschaften“ aus dem Mathematischen Institut der Technischen Hochschule München an „Herrn Geheimrat“; eine Notiz in roter Tinte nennt den Empfänger „Geh. Rat Schwartz“, also den Vorsitzenden der Kepler-Kommission. Das Blatt ist ein Durchschlag mit der Unterschrift „gez. Caspar“ und der Tagebuchnummer 183 (Dok. 4, S. 2). Caspar meldet: „Die beiden Pulkowoer Hss.-Bände habe ich bereits vor einigen Wochen der Verwaltung der Hss.-Abteilung in der Staatsbibliothek zurückgegeben mit der Bitte, sie nach Pulkowo zurückzuschicken.“ Der diplomatische Weg sei „freilich nicht der kürzeste“; man erwarte aus Pulkowo noch „das Konvolut, in dem sich noch weitere Kepler-Hss. befinden“, und die Akademie möge auf Bitten Ernst Zinners beantragen, die Handschriften des Regiomontanus mit diesem Konvolut zu schicken. Die Leihfrist von drei Monaten, die die Direktion der Sternwarte stellte, werde er einhalten (ebd.). Die Registereinträge desselben Jahres, die Mahnung aus Pulkowo und die Empfangsbestätigung für die Bände XXI und XXII, sind in Abschnitt 2.3 genannt.

Dycks Reproduktionen aus den Jahren 1928 bis 1934 bildeten nach dem Katalog der Kepler-Handschriften „eine unentbehrliche Arbeitsgrundlage für die Edition der Kepler-Gesamtausgabe“ (KGW 22, S. 524). Die Bände selbst verließen Pulkowo kurz darauf: „Im Juli 1937 wurde der Nachlaß auf Beschluß des Präsidiums der Akademien […] von Pulkowo zurück nach Leningrad in das Archiv der Akademie verlagert“ (KGW 22, S. 524). Als Grund nennt der Katalog vermutungsweise die Umstrukturierung der russischen Akademiearchive im Jahr 1936, „vielleicht auch aus Sicherheitsgründen“ (ebd.).

1.2 Die ersten Bände (1937–1960)

Die Edition begann nicht mit Band 1. Caspar schreibt in der Einleitung zu KGW 1: „Bereits im Herbst 1937 ist die neue Ausgabe mit der Veröffentlichung des III. Bandes begonnen worden“ (KGW 1, S. XII). Die Einleitung zu KGW 20,1 (1988, bearbeitet von Volker Bialas) blickt darauf zurück: Vor „rund fünfzig Jahre[n]“ habe mit der Neuausgabe der Astronomia Nova als Band 3 „die Edition der Gesammelten Werke von Johannes Kepler an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ihren Anfang“ genommen (KGW 20,1, S. 9). Unter der wissenschaftlichen Leitung Max Caspars (1880–1956), „assistiert von Martha List und unter Mitwirkung von Franz Hammer“ (1898–1969), sei die Edition so vorangeschritten, „daß bis 1960 der Großteil der Bände der Ausgabe vorlag“ (ebd.). In welchem Jahr die einzelnen Bände dieser ersten Reihe erschienen, geben die transkribierten Titelblätter der Bände 1 bis 10 und 13 bis 18 nicht an; die Jahre sind hier eine Lücke.

Die Titelblätter zeigen, wer die Bände verantwortete. Die Bände der ersten Reihe nennen als Herausgeber „im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften unter der Leitung von Walther von Dyck† und Max Caspar“ (KGW 1, Titelblatt); bei KGW 14 und 15 tritt an die Stelle der Forschungsgemeinschaft die „Unterstützung des Bayerischen Staates“ (KGW 14 und 15, Titelblatt). Die Bandherausgeber sind Caspar (KGW 1, 3, 6, 7, 13, 14, 15, 17), Hammer (KGW 2, 5, 8, 9, 10), Caspar und Hammer gemeinsam (KGW 4) und Maximilian Heinz (KGW 16). Der Block kgw-titelblaetter liest diese Angaben aus den Titelblättern.

1.3 Die Kepler-Arbeit im Jahr 1941

Zwei Briefe des Jahres 1941 in den Münchner Kepleriana zeigen die Arbeitsstelle während des Krieges. Am 27. August 1941 schickte Franz Hammer aus Stuttgart das Manuskript einer „kleinen Keplerbiographie für Weilderstadt“ an Caspar (Dok. 4, S. 19–20, Nr. 221). Über den Nachlass schreibt er: „Unsere gleich zu Beginn des russischen Feldzugs abgegebene Mahnung wegen des Pulkowoer Nachlasses ist vor einiger Zeit dahin beantwortet worden, daß vom Amt Rosenberg augenblicklich ein Einsatzstab zusammengestellt werde und daß der Stuttgarter Wunsch zur Kenntnis genommen sei.“ Er rechne nicht damit, den Nachlass noch in Pulkowo vorzufinden, und fährt fort: „Die Verhältnisse hier werden für die Keplerarbeit immer noch ungünstiger“ (Dok. 4, S. 20). Der Katalog der Kepler-Handschriften bestätigt den Vorgang von der anderen Seite: Die Württembergische Landesbibliothek habe, „vermutlich auf Initiative Franz Hammers“, das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete auf eine Evakuierung der Kepler-Bände hingewiesen, und 1942 sei der Bibliothek berichtet worden, die Handschriften lägen im Leningrader Archiv (KGW 22, S. 525). Als Quelle dieses Berichts nennt der Katalog ein Schreiben des Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg an die Landesbibliothek vom 10.9.1942, „nach einer Briefabschrift der Kepler-Kommission München“ (KGW 22, S. 525, Anm. 32).

Am 26. Juli 1941 schrieb der Breslauer Philosoph Faust an Erich Schoenberg, den Direktor der Universitäts-Sternwarte Breslau, und bat um Rat für eine Gesamtausgabe der Werke des Copernicus zu dessen 400. Todestag 1943 (Dok. 4, S. 14). Als Vorbild nennt er die Kepler-Edition: „Dies Musterbeispiel ist die von Prof. Max Caspar (München-Solln, Albrecht-Dürer-Straße 28) veranstaltete große Kepler-Ausgabe, die mit Unterstützung des Württembergischen Kultministeriums und der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Verlag Oscar Beck (München) erscheint“ (Dok. 4, S. 15). Caspar werde die Aufgabe kaum übernehmen können, „da nach dem Tode von Hammer die ganze Arbeit der Kepler-Ausgaben allein von Caspar getan werden muß“ (Dok. 4, S. 17). Diese Angabe trifft nicht zu: Hammer lebte bis 1969 (KGW 20,1, S. 9) und schrieb einen Monat später den eben zitierten Brief. Faust kündigt an, einen Durchschlag an Caspar zu schicken (Dok. 4, S. 18). Die zweite Seite des Briefes liegt in den Kepleriana zweimal vor (Dok. 4, S. 15 und 16).

1.4 Die Fortsetzung durch die Kepler-Kommission (1969–2017)

Nach 1960 „stagnierte die Arbeit; bedingt durch den Tod Caspars wie durch die verminderte Leistungsfähigkeit Hammers infolge einer schweren Kriegsverletzung, konnte nur noch die Herausgabe der bereits in Angriff genommenen Bände abgeschlossen werden“ (KGW 20,1, S. 9). „Inzwischen ist mit Band 11,1 die Edition von einer neuen Generation von Bearbeitern fortgesetzt worden“ (ebd.). Seit KGW 11,1 nennen die Titelblätter als Herausgeberin die Kepler-Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften; KGW 20,1 führt die Gründer und den Fortsetzer als „begründet von Walther von Dyck † und Max Caspar† fortgesetzt von Franz Hammer †“ (KGW 20,1, Titelblatt).

Die Bände dieser zweiten Reihe tragen ihr Jahr im Impressum: KGW 19 (1975, bearbeitet von Martha List und Wilhelm Otto), KGW 11,1 (1983, Volker Bialas), KGW 20,1 (1988, Bialas unter Mitwirkung von Friederike Boockmann), KGW 12 (1990, Jürgen Hübner, Helmuth Grössing, Friederike Boockmann, Friedrich Seck), KGW 11,2 (1993, Bialas und Grössing), KGW 20,2 (1998), KGW 21,1 (2002, Bialas, Boockmann, Eberhard Knobloch), KGW 21,2,1 (2009, Bialas und Seck), KGW 21,2,2 (2009, Boockmann und Daniel A. Di Liscia) und KGW 22 (2017, Peter Michael Schenkel; Handschriftenkatalog Hella Kothmann; chronologisches Register zu Band XIX Friedrich Seck). KGW 3 und KGW 7 erschienen 1990 und 1991 in zweiter, unveränderter Auflage (jeweils Titelblatt und Impressum).

Mit der Fortsetzung änderte die Kommission das Ziel der Edition. Die Einleitung zu KGW 20,1 begründet dies mit der Internationalisierung und Differenzierung der Kepler-Forschung seit der Mitte des 20. Jahrhunderts: Sie habe dazu geführt, „daß der ursprünglich beabsichtigte monumentale Charakter der Gesammelten Werke heute nicht mehr verfolgt wird. Nichts Endgültiges wird nunmehr angestrebt, nicht Vollendung gesucht; heute geht es vor allem darum, der wissenschafts- und kulturgeschichtlichen Forschung die Texte an die Hand zu geben“ (KGW 20,1, S. 9). Mit KGW 22 lag 2017 der letzte der 22 Bände vor (KGW 22, S. 535 und Impressum). An diese Zielsetzung, die Texte der Forschung an die Hand zu geben, knüpft der Ausblick in Abschnitt 3.4 an.

1.5 Blöcke

Wer gab die einzelnen KGW-Bände heraus oder bearbeitete sie, und welches Jahr nennt das Impressum? Gelesen wird der Text der Titelblätter und Impressen (Seiten 0 bis 3 jedes Bandes); ein leeres Jahr heißt, dass das Impressum der Transkription keines nennt.

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Wer gab die einzelnen KGW-Bände heraus oder bearbeitete sie, und welches Jahr
nennt das Impressum? Gelesen wird der Text der Titelblätter und Impressen
(Seiten 0 bis 3 jedes Bandes); ein leeres Jahr heißt, dass das Impressum der
Transkription keines nennt.

26 Sätze.

bestanden

Franz Hammer an Max Caspar, Stuttgart, 27. August 1941 (Nr. 221), Faksimile neben Transkription.

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Franz Hammer an Max Caspar, Stuttgart, 27. August 1941 (Nr. 221), Faksimile neben
Transkription.

2 Sätze.

bestanden
2024-03-14_12-16 · S. 19.0
Nr. 221 Stuttgart, den 27.August 1941. Lieber Herr Caspar, Hiemit erhalten Sie endlich das Manuskript der kleinen Kep- lerbiographie für Weilderstadt. Im Anschluß an einen Vortrag hier im Graphischen Klub und eine damit verbundene Führung in Weilder- stadt, an der sich gegen 50 Personen beteiligten, habe ich die Ar- beit in Angriff genommen. Es würde mich freuen, wenn ich in etwa Ihre Absichten getroffen hätte. Der Umfang des Druckschriftchens wird naturgemäß von Format und Typen abhängig sein. In dieser Hin- sicht habe ich ein kleines Heftchen von Guardini: „Ein Wort zur li- turgischen Frage"Mainz 1941, als Muster im Auge. Es mißt 18,5 x 10 cm und hat eine zwar kleine, aber recht klare Schrift. Nach meiner Berechnung würde es davon etwa 20 Seiten geben, also den vorgesehenen Umfang annehmen. Ihren und Herrn Bühlers Wunsch, die Biographie mit einer Art Führer durch die Weilderstädter Sammlung zu verbinden, habe ich nicht verwirklichen können. Man müßte, wenn es absolut sein müßte, was allerdings nach meinem Eindruck nicht ganz zutrifft, einen kleinen Anhang beigeben, der den Aufbau und Grundgedanken des Museums klar- legen würde. Auch könnte man eine kurze Zusammenstellung von Über- setzungen Keplerscher Werke und von biographischer Literatur an- fügen. Vielleicht äußern Sie sich dazu. An wen soll man wegen des Drucks herantreten? Wie schon gesagt, könnte ich mit der Hoffmann- schen Buchdruckerei hier in Verbindung treten, wenn Sie aber glau- ben, daß man eher zu Beck gehen soll, nachdem er schon die Ausgabe druckt, so ist es mir auch recht; augenblicklich wird ja keiner böse sein, wenn er den Auftrag nicht bekommt. Von irgenwelchen ornamen- talen Beigaben, gaube ich, sollte man absehen, schon um nicht dem Postkartenverkauf Konkurrenz zu machen. 20)
2024-03-14_12-16 · S. 20.0
Ihre Anfrage wegen des Pariser Manuskripts habe ich nach Paris weitergegeben und hoffe bald Antwort zu bekommen. Auch den Auftrag für Zechnall habe ich erledigt. Ich will in den nächsten Tagen wie- der einmal danach sehen. Das alte Papier für etwa drei Abzüge habe ich seinerzeit gleich dazugegeben. Unsere gleich zu Beginn des russischen Feldzugs abgegebene Mah- nung wegen des Pulkowoer Nachlasses ist vor einiger Zeit dahin be- antwortet worden, daß vom Amt Rosenberg augenblicklich ein Einsatz- stab zusammengestellt werde und daß der Stuttgarter Wunsch zur Kennt- nis genommen sei. Sich noch viel Gedanken darüber zu machen erscheint mir zwecklos, denn sicher werden wir den Nachlaß nicht mehr in Pulkowo vorfinden. Wann und wo wird er wohl wieder auftauchen? Ob wir ihn noch einmal zu Gesicht bekommen werden? Die Verhältnisse hier werden für die Keplerarbeit immer noch un- günstiger. Seit mehr als 14 Tagen liegt mir das beiliegende Manuskr. nahezu fertig geschrieben da, ohne daß ich noch den Rest dazu gebracht hätte. Augenblicklich sind erweiterte Luftschutzmaßnahmen im Gang, Gaub ist dazu in Urlaub gegangen, Zöpf ist krank, Hoffmann nur zur Hälfte da, also fast niemand mehr für die viele Arbeit da als ich. Freitag und Samstag bin ich in derselben Sache auswärts. Ein Glück nur, daß die weitere Arbeit an der Ausgabe nicht übermäßig drängt. Haben Sie Ihren Sommerurlaub schon hinter sich? Italienische Devisen sollen gegnwärtig leicht und rasch zu haben sein. Das lockt ordentlich. So viel ich sehe, habe ich keine Frage mehr zu beantworten. Ich würde mich freuen, bald Ihr Urteil zu hören und begrüße Sie für heute mit Frl. List herzlich. Ihr Franz Hammer