Als Johannes Kepler 1630 starb , waren in seiner Hinterlassenschaft in Sagan Tausende von Inhalt und Ausarbeitung her unterschiedlichste Manuskriptseiten .
2.1 Vorgeschichte des Kepler-Nachlasses (1630–1928)
1 Vorgeschichte des Kepler-Nachlasses (1630–1928)
Die Kepler-Kommission wurde gebildet, um Handschriften zu edieren, die fast dreihundert Jahre lang den Besitzer wechselten, bevor sie in München photographiert werden konnten. Dieser Abschnitt folgt dem Nachlass von Keplers Tod bis zur Sternwarte Pulkowo. Seine Grundlage ist die Einleitung „Überlieferung und Verzeichnisse des Kepler-Nachlasses“ im Handschriftenkatalog der Kepler Gesammelten Werke (KGW 22, S. 519–525). Die Belegstellen aus diesem Band gibt der Block am Ende des Abschnitts wieder.
1.1 Sagan 1630
Kepler starb am 15. November 1630 in Regensburg (KGW 11,1, S. 499). Seine Papiere lagen in Sagan, wo er seit Ende Juli 1628 lebte und ein Jahresgehalt von 1000 Gulden aus Albrecht von Wallensteins Herrschaft Friedland bezog (KGW 19, S. 494). Der Handschriftenkatalog beschreibt den Bestand so: „Als Johannes Kepler 1630 starb, waren in seiner Hinterlassenschaft in Sagan Tausende von Inhalt und Ausarbeitung her unterschiedlichste Manuskriptseiten“ (KGW 22, S. 520). Kepler selbst nannte seinen Bestand an beschriebenen losen Blättern Bibliotheca chartacea (KGW 22, S. 520). Unter Nachlass verstehen wir im Folgenden die Gesamtheit dieser Handschriften einschließlich der Teile, die später von ihr getrennt wurden.
Zwei der Münchner Kepleriana (Teil 4) führen in diese letzten Monate: Sie enthalten Reproduktionen zweier Briefe, die Kepler im Januar 1630 aus Sagan an den Leipziger Mathematiker Philipp Müller schrieb (KGW 18, Nr. 1120 und 1122; Dok. 6–8, dazu Abschnitt 3.3).
1.2 Die Erben (1630–1663)
Die Tochter Susanna, verheiratet mit Keplers letztem Mitarbeiter Jakob Bartsch (1600–1633), stellte dem Leipziger Mathematiker Philipp Müller (1585–1659) die Frage, „was denn mit den nachgelassenen Schriften zu machen sei“ (KGW 22, S. 520). Die Handschriften kamen zunächst nach Lauban, später in die Obhut des Sohnes Ludwig Kepler (1607–1663). 1643 ermöglichte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg ihre Überführung nach Königsberg (KGW 22, S. 520 f.). In einem 2015 von Friedrich Seck entdeckten Einblattdruck riefen Rektor und Senat der Universität Königsberg 1645 dazu auf, die Veröffentlichung zu unterstützen (KGW 22, S. 521). Ludwig Kepler bot den Nachlass danach „für 8000 Reichstaler“ zum Verkauf an; Samuel Hartlib in London sollte dabei vermitteln (KGW 22, S. 521). Ein Käufer fand sich nicht.
1.3 Hevelius (1663–1687)
Nach Ludwig Keplers Tod 1663 erwarb der Danziger Astronom Johannes Hevelius (1611–1687) den Nachlass. Mit seinem Verzeichnis in den Philosophical Transactions von 1674 liegt die erste Beschreibung des Inhalts vor; die Einteilung in 29 Faszikel könnte teilweise auf Kepler selbst zurückgehen (KGW 22, S. 521). Hevelius plante, fünf Bände aus dem Nachlass zu publizieren (KGW 22, S. 521). Nach seinem Tod verwalteten seine Tochter und deren späterer Ehemann, der Danziger Ratsherr Hans Lange, die Sammlung und suchten Interessenten (KGW 22, S. 521). Dass die Handschriften den Brand der Danziger Sternwarte vom 26. September 1679 überstanden, berichtet die Sekundärliteratur zu Hevelius; die Stelle ist für diese Publikation noch am Wortlaut zu prüfen (Lücke).
1.4 Hansch und die Bindung von 1712
1707 erwarb der Leipziger Gelehrte Michael Gottlieb Hansch (1683–1749) den Nachlass „für 100 Gulden“ (KGW 22, S. 521). Er verteilte die 29 ungebundenen Faszikel auf 22 Bände und ließ sie 1712 in Pergament binden (KGW 22, S. 522). Diese 22 Bände heißen im Folgenden Nachlassbände. Kaiser Karl VI. gewährte Hansch einen Zuschuss von 4000 Gulden und eine Pension von 600 Gulden (KGW 22, S. 522). Im Juni 1718 überreichte Hansch dem Kaiser die Epistolae, einen Folioband mit 407 Briefen an und 77 Briefen von Kepler (KGW 22, S. 522). Die veröffentlichten Handschriften hatte er der Hofbibliothek zu überlassen; sie liegen heute in der Österreichischen Nationalbibliothek als Cod. 10702, 10703 und 10704 (KGW 22, S. 522). 1721 musste Hansch die verbliebenen 18 Bände in Frankfurt am Main versetzen (KGW 22, S. 522).
1.5 Murr, Euler und der Ankauf für St. Petersburg (1760–1774)
Christoph Gottlieb von Murr (1733–1811) wurde um 1760 auf die verpfändeten, „für 1500 Gulden“ zum Verkauf stehenden Manuskripte aufmerksam; ohne ihn wäre nach dem Urteil des Katalogs „vielleicht der gesamte Kepler-Nachlaß auf einem Speicher in Vergessenheit geraten“ (KGW 22, S. 523). 1773 gelang es Murr, die St. Petersburger Akademie für den Erwerb zu interessieren (KGW 22, S. 523). „Der Mathematiker Leonhard Euler (1707–1783) erstellte schließlich das entscheidende, aber keineswegs so vorteilhafte Gutachten, das den Kauf durch Katharina II. einleitete“ (KGW 22, S. 523). Im Juni 1774 kamen die 18 Bände in St. Petersburg an und wurden „als Schenkung der Zarin“ dem Archiv der Akademie überlassen; Wolfgang Ludwig Krafft und Anders Johan Lexell erhielten den Auftrag, Manuskripte zur Veröffentlichung auszuwählen (KGW 22, S. 523).
1.6 Pulkowo und die erste Edition (1839–1871)
1839 wurden die Handschriften der neu gegründeten Sternwarte Pulkowo bei St. Petersburg übergeben (KGW 22, S. 524). Ab 1850 kam unter Otto Wilhelm Struve durch Vermittlung der russischen Gesandten am württembergischen Hof die Ausleihe zustande, auf der die erste Edition der Werke Keplers beruht, die Opera omnia von Christian (von) Frisch (1807–1881) (KGW 22, S. 524). Aus Frischs Verweisen auf die „Mss. Pulkova“ stammt der Name Pulkowoer Handschriften (KGW 22, S. 524). Schon vor Frisch hatte die Großherzogin Maria Pawlowna von Sachsen-Weimar-Eisenach (1786–1859) die Ausleihe eines Nachlassbandes nach Weimar und Jena ermöglicht, den Ernst Friedrich Apelt (1812–1859) für den Briefwechsel mit David Fabricius bearbeitete; derselbe Band ging später an den ostfriesischen Oberlehrer Bunte (KGW 22, S. 524).
Die Geschichte der Sternwarte Pulkowo selbst — Gründung unter Friedrich Georg Wilhelm Struve, Ausbau, Zerstörung im Zweiten Weltkrieg — ist für diese Publikation noch aus der Literatur zu erarbeiten; der Handschriftenkatalog nennt die Sternwarte nur als Verwahrort (Lücke).
1.7 Belegstellen
Der Block liest die zitierten Sätze der Einleitung von KGW 22 aus der Sammlung kepler-prim (Block unten). Die Seitenzahl ist die gedruckte Seite; der Index der Sammlung liegt in diesem Teil des Bandes um eins darunter.
Die Sätze der Einleitung zum Handschriftenkatalog (KGW 22, S. 520–524), auf denen die Daten und Zahlen dieses Abschnitts beruhen.
Partitur
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Die Sätze der Einleitung zum Handschriftenkatalog (KGW 22, S. 520–524), auf
denen die Daten und Zahlen dieses Abschnitts beruhen.16 Sätze.
bestandenKepler selbst prägt die Bezeichnung Bibliotheca chartacea 2 in Bezug auf seinen Bestand an beschriebenen losen Blättern , der neben Vorarbeiten zu Veröffentlichungen bis hin zu Druckvorlagen auch Exzerpte , Beobachtungsdaten , Horoskope , Rechnungen und Notizen enthält .
Der in England lebende und mit zahlreichen Gelehrten in Verbindung stehende Hartlib sollte bei der Veräußerung des Nachlasses behilflich sein , den Ludwig Kepler nunmehr für 8000 Reichstaler zu dem Verkauf anbot .
Die Einteilung in 29 Faszikel könnte zumindest teilweise von Kepler selbst vorgenommen worden sein : Faszikelbezeichnungen auf einzelnen Manuskriptseiten stimmen allerdings nicht mit der veröffentlichten Faszikel - Nummer überein .
12 Es ist Hansch , der 1707 für 100 Gulden die Hinterlassenschaft erwirbt und
Durch seine Neuordnung wurden die 29 ungebundenen Faszikel auf 22 Bände von unterschiedlichem Umfang und Format verteilt und 1712 in dem Stil der Zeit in Pergament gebunden .
einen Zuschuß von 4000 Gulden sowie eine Pension von 600 Gulden .
In dem Juni 1718 kann Hansch die „ Epistolae “ , ein stattliches Buch in Folioformat 15 mit 407 Briefen an und 77 Briefen von Kepler , dem Kaiser überreichen .
Das Urteil besteht, wenn alle sechzehn Belegsätze gefunden werden.